Montag, 16. Januar 2012

Hallo Bolivien.

Lieber Klaus-Peter,

Es ist 6 Uhr morgens. Mein Handy geht und ich werde wach. Ich gehe duschen, lese und warte auf die beiden anderen beiden Mädchen. Es ist 7 Uhr. Wir stehen am Busterminal. Es gibt Probleme mit unserem Ticket nach Copacabana, Bolivien (eigentlich ist das gar kein Ticket, wurde uns soeben gesagt). Sie fragen nach dem Mann, der es uns verkauft hat. Ich antworte, dass der Typ hier irgendwo rumrennen müsste, weil das sein Beruf ist (Touristen abfangen und Leute voll labern). Glücklicherweise kommt er gerade an, hat unsere Tickets in der Hand und führt uns zur richtigen Haltestelle. Der Bus ist gut. Er hat 2 Etagen. Wir sitzen oben. (unten sitzen die besseren Menschen, die sich einen größeren Sitz leisten können). Wir fahren los. Die Fahrt soll ungefähr 3,5h dauern. Ich kann nicht wirklich schlafen, weil ich zu aufgeregt bin. Bolivien soll schön sein. Es ist 10.15Uhr. Wir halten an der peruanisch-bolivischen Grenze. Ich absolviere den Behörden-Migrations-Krimskrams, bekomme willkürlich irgendwelche Stempel irgendwo hingeknallt und gehe wieder zurück in den Bus. 10 Minuten später erreichen wir Copacabana. (Die erste wirkliche Stadt in Bolivien und direkt am Titikakaseee). Wir finden ein Hotel für umgerechnet sehr wenig Geld; Frühstück inklusive (Bolivien ist günstig. Das ärmste Land Südamerikas und gleichzeitig das reichste an Rohstoffen, welch traurige Ironie.) Wir lagern unsere Sachen und essen zu Mittag. Es ist 14 Uhr. Wir laufen rum und kaufen Boottickets für morgen (Morgen wollen wir die „Isla del Sol“ besuchen, eine berühmte Insel hier) Wir gehen zurück zum Hotel und ruhen ein bisschen. Nach einer Stunde habe ich keine Lust mehr. Lucy und Jayne schlafen noch. Ich gehe raus, um Copacabana anzugucken. Die Sonne scheint, es ist warm und ich trage meine Sonnenbrille. (Im Schatten ist es sau kalt, genauso wie nachts: da soll es hier auch kalt sein). Copaaabana ist schön. Nach einer Weile des Anschauens, mache ich eine Pause in einem Cafe direkt am Hafen.  Ich trinke einen sehr schlechten Kaffee mit Milch und lese ein wenig. Es ist 18Uhr. Ich möchte auf einen der beiden Berge steigen, von denen Copacabana umgeben ist (es liegt in einem Tal). Ich gehe zurück zum Hotel, überrede die beiden Mädchen mitzukommen, warte 15min und wir gehen los. Der Weg ist anstrengend, dafür schön und nicht so lang. Schön, obwohl hier viel Müll rumliegt. Es gibt fast keine Mülleimer. Oben angekommen entdecke ich einen Mülleimer. Wir genießen eine wunderbare Aussicht auf Copacabana und den Titikakasee und warten bis die Sonne endlich untergangen ist. Es ist 19.30Uhr. Nun ist es kalt. Ich sehe wie eine Frau einen Müllsack vom Hügel wirft. Ich frage Warum, bekomme keine Antwort und wundere mich von nun an nicht mehr, warum hier so viel Müll rumliegt. Wir gehen zurück, essen zu Abend und erreichen das Hotel gegen 20.30Uhr. Ich freue mich auf eine gute Zeit in Bolivien.

Sonntag, 15. Januar 2012

Das Schwein vom Titikakasee.

Lieber Klaus-Peter,

es ist 4:30 in der Früh. Wir erreichen Puno. Die Busfahrt war lang. Ich habe die richtige Liegeposition nicht finden können. Folglich habe ich sehr unregelmäßig geschlafen. Ich steige aus. Ich bin müde. Es ist kalt. Wir betreten das Busterminal. Ein Mann labert uns voll. Er bietet uns ein Hostel und den Besuch der „Floating Islands“ an. (Die „Schwimmenden Inseln“ sind berühmt für den Titikakasee. Ein indigenisches Volk namens Uros wohnt auf selbsthergestellten Inseln) Er telefoniert, wir bejahen und sitzen nun im Taxi Richtung Hostel. Eine Frau macht die Tür auf. Dies Nacht brauchen wir nicht bezahlen, können aber trotzdem auf unser Zimmer. Wir schlafen ein bisschen. Es ist 9 Uhr. Ein Taxi holt uns ab, um uns zu den „Floating Islands“ zu bringen. Nach ca. 3min sind wir am Hafen. Unser Boot ist klein und schön. Unseren englischsprachigen Guide verstehe ich besser wenn er Spanisch redet. Wir fahren los. Wir bekommen erklärt, was die Uros auf den Inseln so machen. Fast alles ist aus Schilf gemacht. Neben den Inseln auch die Boote und Häuser. Es gibt einen Kindergarten und 2 Grundschulen. Alles miten auf dem Titikakasee. Ich bin begeistert und frage mich sogleich, wie die Leute Geld verdienen (eine Antwort bekomme ich später). Wir legen an einer Insel an. Auf jeder Insel wohnt eine Familie. Wir setzen uns und unser Guide erzählt uns wie die Inseln gebaut werden (kurz: mit Schilf). Dann startet der touristische Teil der Fahrt. Wir sollen Sachen kaufen (Tücher oä) oder eine Fahrt mit dem „Mercedes Benz“ machen (ein Boot aus Schilf). Ich mache die Fahrt nicht mit, warte stattdessen auf der Insel. Wir fahren mit unserem Boot weiter, machen halt auf verschiedenen Inseln, wo es Restaurants, Bars und Verkaufsstände gibt. Mit der Antwort auf die Frage des Geldverdienens im Gepäck fahren wir wieder zurück zum Festland.
Es ist halb 1. Wir suchen einen günstigen Essenplatz, werden fündig und gehen wieder zurück zum Hostel, um zu ruhen. Ich ruhe nicht lange, weil ich ein wenig Puno angucken will. Die beiden anderen bleiben im Hostel, ich laufe los. Nach 3min des Gehens spricht mich ein Rikscha-Fahrer an, ob ich nicht irgendwohin fahren möchte. Ich verneine. Er fragt, woher ich komme, ich antworte: Deutschland. Er freut sich wie blöd und umarmt mich. Er ist sturzbetrunken; wäre bestimmt eine lustige Fahrt geworden, denke ich. Ich laufe weiter. Am Hafen sind viele kleine Boote. Ich sehe viele nicht fertig gebaute Häuser, schmutzige Straßen und ein festgebundenes auf dem bürgersteigliegendes Schwein. Es ist halb 6. Ich kehre zum Hostel zurück, wir trinken Café und laufen in die Stadt, weil da etwas aufgeführt wird. Wir essen Straßenessen, trinken ein Straßenbier und gucken ein bisschen das Schauspiel an, was die Peruaner hier auf dem „Plaza Grande“ so machen. Es ist halb 10. Ich liege im Bett und bin müde. Ich resümiere: Puno ist keine besondere schöne Stadt. Sie ist in Ordnung und versucht sich am Tourismus. Sie hat den Titikakasee und eine schlafendes Schwein, mehr aber auch nicht. Ich freue mich auf morgen früh, da geht es weiter nach Bolivien.

Samstag, 14. Januar 2012

Tschüss Cusco!

Lieber Klaus-Peter,

Es ist der 14. Januar 2012. Ich werde wach. Der letzte Tag in Cusco beginnt um 8.15. (Heute Abend fahren Jayne, Lucy und ich nach Puno, um dann weiter nach Bolivien zu reisen. Puno liegt im Süden von Peru am Titikakasee. Tickets für die Busfahrt habe wir gestern gekauft. Chris kann leider nicht mit. Er hat kein Geld mehr und muss zurück nach Ecuador, von wo aus sein Flieger nach Schottland geht). Ich gehe duschen, nicht bei uns im sechser Zimmer, sondern in einem separaten Badezimmer; da ist es schöner. Ich fühle mich immer noch KO.  Ich verbringe den Vormittag in unserem guten Hostel. Es ist 1.30 Uhr. Chris und ich gehen zum nahegelegenen Markt und werden für etwas mehr als 1USD satt. Es ist lecker hier. Die Küchenfrau ist alt, dick und lustig. (verwunderlicher Weise kann sie Englisch). Es ist vier Uhr. Wir verabschieden uns von Chris. Sein Bus geht in einer halben Stunde. Ich bin traurig und die beiden anderen Mädchen auch. Ich telefoniere ein bisschen. Es ist halb 5. Ich beschließe einen kleinen Spaziergang durch Cusco zu machen (Wir haben bisher nur die touristischen Gegenden gesehen). Da die anderen zu faul sind, gehe ich alleine. Die Sonne scheint, aber ich bin nachdenklich. Daher laufe ich ohne Ziel durch Cusco. Ein kleiner gelber Käfer unterbricht  meine Gedanken für einen Moment. 
Es ist viertel vor sechs: Ich habe mich verlaufen. Meinem schlechten Orientierungssinn folgend, finde ich schließlich eine mir bekannt Straße am Ende der Stadt. Ich setze mich in ein Cafe. Ich trinke Kaffee und esse ein Süßgebäck. Ich lese Sachen über Bolivia und freue mich, dass ich jenes Land auch bald angucken darf. Ich gehe zurück zum Hostel. Es ist 7 Uhr. Ich treffe die beiden andern Mädchen und wir essen Nudeln zu Abend. Es ist viertel nach 8. Wir und andere Hostelmenschen schauen nun „Midnight in Paris“ (habe ich in Quito gekauft). Guter Film, leider können Lucy, Jayne und ich ihn nicht zu Ende schauen. Das Taxi wartet. Wir verabschieden uns von allen (auch von Cusco, einer wunderbaren Stadt) und fahren zum Busterminal. Pünktlich um 10:30 sitze ich im Bus Richtung Puno. Es ist eng hier. Ich weiß nicht, wohin mit meinen Beinen. Vielleicht finde ich es aber in den kommenden sechs Stunden noch heraus.

Donnerstag, 12. Januar 2012

Das Ziel: Machu Picchu.

Lieber Klaus-Peter,

Es klopft an der Tür. Es ist 4Uhr. Wir lassen uns wecken, weil ja bekanntlich keiner eine Uhr oder ähnliches hat. In einer halben Stunde ist treffen. Heute ist der letzte Tag. Wir gehen endlich zu Machu Picchu. Natürlich sind wir zu spät. Genauso wie drei Brasilianer. Die andern sind schon gegangen. Egal, wir laufen los. Es ist dunkel und kalt. Glücklicherweise habe ich warme Sachen an und meine Regenjacke dabei (sie ist fast immer dabei). Der Weg zur Inka-Stätte ist schwieriger als ich gedacht habe. Es sind unzählige Treppen hier. Der Aufstieg ist hart, ich schwitze ohne Ende, es wird warm. Warum habe ich nur so dämlich warme Sachen an. Es ist 5:50Uhr, ich erreiche den Gipfel und treffe auf die anderen, die auf uns warten (Treffen ist 6:15, einige sind mit dem Bus hoch, weil anders zu anstregend). Wir betreten den Nationalpark. Ich „schmungele“ meinen Rucksack auf meinen Rücken hinein. Er beinhaltet Essen und Trinken; das darf man eigentlich nicht hier (tut aber jeder). Die ersten zwei Stunden führt uns Henry durch das Gebiet. Es ist nebelig, wolkig und kalt. Man kann nicht so richtig und viel sehen. Gerade erzählt Henry, dass hier vor knapp 550 Jahren mal 1200Menschen gelebt haben soll. Wo die wohl alle unter gekommen sind, frage ich mich. Es ist kurz vor neun. Henry verabschiedet sich. Wir geben ihm eTrinkgeld und verabreden uns alle  an einem geheimen Ort, um zu essen und zu trinken (viele aus unserer Gruppe auch um zu kiffen. Auch das Kiffen ist hier im Nationalpark Machu Picchu verboten.) 
Wir laufen rum. Einige besteigen den WaynaPicchu-Berg. Ich tue das nicht, weil ich eh schon ziemlich kaputt bin. (außerdem habe ich kein Ticket dafür). Es ist halb 11. Das Wetter wird besser. Wir laufen zu dem Punkt an dem das klassische Machu Picchu Bild entsteht. Wir warten eine Weile. Viele Leute warten mit uns. Die Sonne kommt. Ich mache ein Foto.  Ich mache sicherheitshalber noch ein Foto, denke ich. (Diesen Gedanken habe ich noch des öfteren, sodass 100 Fotos vom gleichen Punkt entstehen). Wir ruhen ein wenig und essen heimlich Kekse. Die Aussicht ist unbeschreiblich. Die Sonne scheint und ich merke, wie ich einen Sonnenbrand kriege. Wir schauen uns alles an; auch die Inka Brücke (ist aber nichts besonderes). Wir machen immer mehr Fotos. Es ist Viertel vor 1. Wir treffen uns am Ausgang mit den anderen, um gemeinsam hinunter zu kraxeln (und 8USD für die Busfahrt hinunter zu sparen). 
1h später sitzen wir nun total kaputt im Restaurant und essen Hamburger mit frittierten Kartoffel (es sind nicht wirklich Pommes Frites). Wir holen unserer Sachen aus dem Hostel und laufen zum Zug. Wir warten. Es ist 4 Uhr. Der Zug kommt und wir gehen hinein. (Es ist der beste Zug, in dem ich jemals saß.). Wir fahren los. (Es ist der langsamste Zug in dem  ich jemals saß) Die Fahrt ist schön; mit Panorama. Wir erreichen einen Ort, werden mit Namensschild abgeholt (Die Namen sind falsch geschrieben, ist aber vielleicht beabsichtigt; der Privatsphäre wegen). Wir fahren Van, erreichen Cusco und geben unsere geliehene Schlafsäcke zurück. Es ist halb 12. Ich sitze im Hostel und denke über die letzten 5 Tage nach. 64km „gewandert“ (zwischendurch  des öfteren gestorben), 12 verschiedene Mikroklimazonen bezwungen (was immer das heißen mag), hygienische Hindernisse überwunden und dennoch am Leben. Was ein Erlebnis, ich würde es jederzeit wieder tun.

Mittwoch, 11. Januar 2012

Salkantay, der letzte Tag Wandern.

Lieber Klaus-Peter,

es ist spät als wir aufwachen: siebe Uhr klopft es an der Zelttür. Diesmal gibt es keinen Tee. Schade, denke ich. Alle Sachen sind nass. Ich packe die Meinen sporadisch zusammen. Es ist 7.30Uhr. Wir frühstücken. Henry erzählt uns soeben, dass wir auch ein Taxi Nach „Hidro Elcetrica“ nehme können. (Der Weg führt über „Hidro Electrica“, Name geändert, nach „Aqua Calientes“ (Machu Picchu Stadt), um anschließend Machu Picchu zu erreichen). Wir würden uns 3Stunden Wandern ersparen und müssten nur noch 3 weitere laufen, um das Tagesziel zu erreichen. Ich überlege und rede mit meinen Beinen; auch mein Rücken mischt sich mit ein. (immerhin müssen wir heute unser komplettes Gepäck alleine tragen, d.h. für mich mehr als 15kg, für 2 Personen) Schnell kommen wir überein: wir fahren mit dem Taxi. Alle Sachen reingeworfen, sitze ich nun hier im Van zusammen mit 9 weiteren Menschen aus meiner Gruppe (nur 3 wollen laufen). Das Wetter ist gut und die Sonne scheint. Wir erreichen „Hidro Electrica“, bezahlen das Taxi und laufen mit unserm gesamten Gepäck, schwer, weiter. Das Gewicht meines Rucksackes habe ich natürlich unterschätzt. Nach wenigen Minuten bin ich komplett durchgeschwitzt. Wir laufen entlang Schienen, wo man eigentlich nicht laufen darf (ein Schild sagt das, unser Führer sagt was anderes). Es ist 12 Uhr. Wir machen Mittag und essen Essen aus Plastiktüten, selber getragen. Wir erreichen „Aqua Calientes“ gegen 13.15Uhr.  Unser Hostel (mit Betten und warmen Wasser) ist super. Wir machen eine kurze Pause, reden und laufen ein wenig durch die Stadt (Es ist nicht besonders schön hier, sehr touristisch, dient mehr als Startpunkt für Machu Picchu). Es ist 6 Uhr. Wir treffen uns mit allen unten vor der Tür unseres Hostels. Wir essen gemeinsam und bekommen den Tagesablauf für morgen erklärt: 4.30Uhr treffen und dann gemeinsam zu Machu Picchu wandern (ca. 1,5h). Nun bin ich froh, dass ich in einem Bett liegen darf und heute keine Rucksäcke mehr tragen und nicht mehr wandern muss. Diese Meinung teilen meine Beine und mein Rücken mit mir, wie sie mir soeben mitgeteilt haben.

Dienstag, 10. Januar 2012

Salkantay, der dritte Tag.

Lieber Klaus-Peter,

der dritte Tag beginnt ein wenig später. Der Koch-Assistent klopft um 6 Uhr an unser Zelt. Der Tee ist gut. Wir stehen auf und packen unsere Sachen. Ich wasche mich (Es gibt kaltes Wasser; aus einem Schlauch). Wir frühstücken. Es ist kurz vor 6.33Uhr. Henry erklärt uns  den Tagesablauf. Ich muss auf Toilette, will aber nicht, weil ekelig. Ich gehe trotzdem. Wir brechen auf. Heute werden wir nur vormittags laufen. Nachmittags werden wir einen Van zu unserer dritten Campingstelle nehmen. Der Weg ist nicht so anstrengend, wie gestern. Es ist hügelig. (13km Entfernung im Hügeligen reicht finde aus, ich auch aus). Sonnenschein und Regen wechseln sich regelmäßig ab (als wäre es abgesprochen und keiner von beiden den andern übervorteilen will).Wir machen Pause. Es ist 10.30, als wir einen fußballähnlichen Gegenstand in der Nähe einer Hütte im bergigen Nirgendwo finden. (wir finden ihn nicht nur, sondern spielen auch ein bisschen). Wir laufen weiter. Ich fange das Sinnieren an (liegt vielleicht am Sonnenschein): Wandern ist wie das richtig Leben: Es gibt Pausen, Etappenzielen und ein Endziel. Was das Endziel im richtigen Leben ist, weiß ich gerade nicht, habe aber auch nicht genügend Lust und Luft weiter darüber nachzudenken. Der Weg ist schön und abenteuerlich. Es recht jetzt gerade. Es ist kurz vor halb 12. Wir können auf diesem, dem unseren, Weg nicht weiterwandern. Steine versperren den Weg. Wir müssen eine Holzseilwinde über den Fluss nehmen, um auf der anderen Seit weiterzulaufen. (ca. 100m Entfernung, zwei Leute können gleichzeitig mitfahren) Ich sitze im „Vehikel“. Es wackelt sehr, ist nicht sehr sicher. Dennoch ist es großartig übers Tal hinweg zu „fahren“. Es dauert lange, bis alle drüben sind. Es geht weiter. 
Es ist 1.30Uhr. Wir erreichen unseren Essensplatz. Das Essen ist gut (unser Koch ist der Beste). Wir hören ua. DJ Bobo. Ich frage mich, was das soll und muss lachen. In der Zwischenzeit bemerke ich, dass fast unsere ganze Gruppe Drogen nimmt (Drogen nehmen hört sich irgendwie gefährlicher an, als Marihuana Rauchen). Nun sitzen wir alle im Van nach Santa Teresa, unserer Schlafstätte. Angekommen, bauen wir unsere Zelte auf und fahren direkt zu den „Hot Springs“ (eine Art Thermalbäder, aufgeheizt durch Vulkane). Es ist schön hier, schön warm und das erste Mal heißes Wasser seit knapp 4 Tagen. Es ist 6.32. Wir fahren zurück zum Camp. Wir essen, machen ein Lagerfeuer, trinken ein bisschen Alkoholisches („Pisco Sour“, peruanisches Nationalgetränk) und hören (und machen auch) keine typische Lagerfeuer Musik. (Unter anderem hören wir „Modern Talking“). Es ist Viertel nach zehn. Wir gehen in eine „Disco“. Es ist heiß, stickig und voll hier. Es läuft anstrengende Salsa-Musik. Ich habe nicht so viel Lust hier zu sein, aber ein 60jähriger Brasilianer (aus unserer Gruppe) verbessert meine Stimmung mit seinen Tanzeinlagen. Dennoch bin ich froh, als wir gegen Mitternacht unseren Campingplatz erreichen. Begleitet vom Lichte unzähliger Glühwürmchen finde ich den Weg zu unserem Zelt und freue mich schon auf den morgigen Tag.

Montag, 9. Januar 2012

Salkantay, der zweite Tag.

Lieber Klaus-Peter,

Es ist fünf Uhr. Das weiß ich obwohl ich weder Uhr noch Wecker habe. Ein Mann klopft an unser Zelt. Er ist der Küchen-Assistent und verteilt heißen Coca-Tee (Coca-Tee hat eine anregende Wirkung und hilft gegen Höhenkrankheiten). Die Nacht war sau kalt. Ich habe nicht gut geschlafen. Wir stehen auf und packen unsere Sachen. Das Frühstück ist gut. Noch besser ist die wunderbare Aussicht hier im Tal, welche ich gestern nicht so wahrgenommen habe. Wir bekommen ein Snack-Paket. Gleichzeitig erzählt uns Henry (einer der beiden Führer), dass uns heute der anstrengendste Tag erwartet. Na toll, denke ich, dafür regnet es die ganze Zeit. Es ist 6.30Uhr.Wir laufen los. Genaue 5min laufen wir nicht bergauf. Danach startet der Anstieg. Den Regen habe ich schon ganz vergessen, meine Sachen sind eh nass, Die Steigung ist leider immernoch present. Immer wieder muss ich kurze Pause einlegen, um zu atmen. Nach genau 3 Stunden erreichen, wir den Gipfel des Berges, der höchste Punkt der ganzen Tour (4600m) Henry und Andre (der andere Führer) zeigen uns, was man so ritualmäßig auf einem Gipfel so macht. Jeder von uns sollte einen Stein mit nach oben tragen (jenen Stein habe ich genau dreimal auf dem Weg ausgetauscht. Der erste war groß, der letzte ist klein.) Wir bauen Steintürme und vergrabe Coca-Blätter unter ihnen, während wir die vier nächstliegenden Berge anbeten (in jeder Himmelsrichtung einen). Wir laufen weiter. Von nun an, nur noch bergab. Es ist halb 2. Es regnet immer noch. Wir essen zu Mittag in der besten Hütte in der ich jemals zu Mittag gegessen habe. Es gibt keinen Schlüssel, deswegen müssen wir durchs Fenster rein. Der Koch wartet schon. Es ist eng, kalt und nass hier; dennoch gemütlich. Ich fühle mich glücklich. Inmitten im regnerischen Nirgendwo. Jenes Gefühl wird verstärkt als ich marihuanaähnlichen Geruch in der Luft entdecke. Ist bestimmt einer unserer Führer, oder beide, denke ich und muss lachen. Es ist 15.23Uhr. Wir laufen los. Die ganze Zeit bergab. Die Landschaft ist unbeschreiblich und auch das Wetter wird ein wenig besser. Ich kann meinen Regenponyo ausziehen. Ich schaue auf meine Uhr: Es ist halb 6, als wir unsere Campingstelle erreichen. Wir essen zu Abend. Henry erzählt uns in einer Stunde, was er in 2 Semestern peruanischer Geschichte gelernt hat. Verwunderlicherweise bin ich nach 22km und 10 Stunden rumkraxeln total im Eimer. Meine Sachen sind schmutzig und nass. Mein Schlafsack, ausgeliehen, riecht streng. (Er versucht mich warmzuhalten). Dennoch möchte ich hier bleiben. Die Einschlafgeräusche der Wasserfälle erinnern an gestern Abend.